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Der persönliche Maßleisten
Grundsätzlich ist der Leisten die Innenform des Schuhs, über den der Schuh gebaut wird. Würde man den fertigen Schuh mit Gips ausgießen, erhielte man wieder den Leisten. Er besteht aus Hartholz, zum Beispiel Weißbuche, und wird in der Maßschuhmacherei genau nach der Fußform des Kunden gebaut. Der Leistenbau ist also aller Anfang und das Herz des Maßschuhs. Ein Maßleisten enspricht zwar einem bestimmten Fuß, ist aber nicht einfach sein Abguß. An manchen Stellen ist er magerer als der Fuß, an anderen hat er mehr Holz. Auch sind der Umriß und das Profil nicht gleich wie beim Fuß. Grundsätzlich aber herrschen von der Ferse bis zur Zehenspitze die komplizierten Regeln des orthopädischen Leistenbaus. Die Schuhspitze bleibt dem Leistenmacher als Gestaltungsspielraum für Schönheit, Mode oder Geschmack.
Der Leisten bestimmt den Schuh. Jeder Fehler am Leisten findet sich im Schuh wieder, und bis auf kleine Fehler im Millimeterbereich sind nachträgliche Änderungen am fertigen Schuh nicht mehr möglich. Hierin unterscheiden wir uns von den Maßschneidern. Ihre Änderungsmöglichkeiten, auch am fertigen Werkstück sind beträchtlich größer.
In guten Betrieben ist der Leistenbau Meistersache und wird mit größter Sorgfalt betrieben. Jeder Schuhmacher ist stolz auf seinen Leisten, was heißen will auf seine Art, Leisten zu bauen, auf seine Linie, seine Paßform, auf seinen Geschmack und seine Handschrift. Im Leisten will sich seine ganze Kunstfertigkeit ausdrücken. Da in der Maßschuhmacherei vom Kundenfuß ausgegangen wird, sind Schuhgrößen und -weiten unbekannt. Auch sind der linke und der rechte Schuh niemals gleich, sondern nur so ähnlich wie möglich, also unsichtbar ungleich.
Ist ein Paar Leisten einmal perfekt, lassen sich darüber etwa 40 Paar Schuhe herstellen, dann ist er zerschlissen und muß ersetzt werden. Zur Herstellung eines Paar Maßleisten benötigt der Leistenmacher zwischen 6 und 15 Stunden.
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