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Stil, Geschmack und Garderobe
Der Schuhmacher hat im Gegensatz zum Modedesigner nicht einen anonymen Idealkonsumenten vor Augen, sondern reale Personen mit dazugehörigen Füßen, die beschuht sein wollen. Wie eingangs erwähnt, ist der Leisten Ausdruck des Fußes und der Schuh daher Ausdruck des Leistens und somit der Maßschuh ein integraler Bestandteil seines Trägers. Genau darin liegt auch die wirkliche Exklusivität von Maßschuhen. Sie sind für einen bestimmten Menschen von einem bestimmten Menschen gemacht. Ein gut gemachter Maßschuh unterstreicht die Physiognomie vorteilhaft und retuschiert sie nicht.
Ein Tip zur Beurteilung Ihres Gesamtbildes und wie sich die Schuhe einfügen: Betrachten Sie sich einem Ganzkörperspiegel aus einer Entfernung von etwa zwei Metern. Kneifen Sie die Augen zu und konzentrieren Sie sich nur auf Ihre Silhouette inklusive der Schuhe und prüfen Sie, ob die vor Ihnen stehende Figur optisch fest auf dem Boden steht. Beachten Sie auch die Weite der Hosenbeine. Entscheidend dabei ist, daß Sie sich distanziert, also wie einen Fremden ansehen.
Natürlich ist der Schuh nicht nur das zwangsläufige Ergebnis der Füße. Die Handschrift des Schuhmachers spielt eine entscheidende Rolle. Der Stil eines Schuhmachers hat sich meistens sehr langsam auch in Abhängigkeit von seiner professionellen Herkunft und Tradition und seinem Kundenkreis entwickelt. Die schönsten Schuhe wird er bauen, wenn der Kunde seine Handschrift als die für ihn richtige erkennt und schätzt. Auf dieser Basis läßt sich dann auch über Leder, Farben, Modelle und Geschmack gut streiten.
Ich hoffe, Ihnen mit diesem kleinen Exkurs in die Maßschuhmacherei einen Eindruck von unserem Handwerk vermittelt zu haben. Manchen Menschen mag es anachronistisch erscheinen, mir und vielen unserer Kunden verschafft es aber viel Freude und Genuß.
Sollten Sie Fragen haben, bitte ich Sie, uns zu schreiben oder anzurufen.
Michael Rollig - Saint Crispins
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