Maßschuhe
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Was ist gute Paßform?


Neben den orthopädischen Kriterien ist gute Passform verantwortlich für das Wohlbefinden im Schuh, und das ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Aus der Sicht des Schuhmachers soll der Schuh im Bereich hinter den Ballen fest sitzen, das heißt es dürfen keine Hohlräume zwischen Fuß und Schuh vorhanden sein. Die Zehen müssen beweglich bleiben und die Schuhspitze darf mit den Zehen nicht ertastbar sein. So weit so gut. Trotzdem weiß jeder daß sich Joggingschuhe weicher anfühlen als Bergschuhe. Warum also werden Maßschuhe nicht so weich wie Joggingschuhe gemacht? Hier müssen wir etwas ausholen. Unser aufrechter Gang ist nicht nur ein Artmerkmal der Menschen, sondern auch eine Kulturleistung. D.h. wir wollen aufrecht gehen, auch wenn wir es nicht immer müßten. Unser Skelett ist aber an diese ausschließliche Fortbewegungsart nicht vollständig angepaßt. Nicht nur die Volkskrankheit Rückenschmerz, sondern auch die bei fast allen erwachsenen Menschen auftretenden Spreizfüße sind ein Zeichen dafür.

Der menschliche Fuß ist ein ausgezeichneter Stoßdämpfungsapparat, aber wie jede mechanische Apparatur Verschleiß unterworfen. Der Verschleiß besteht im wesentlichen in der Lockerung der Bänder, Verschleiß der Knorpelmassen zwischen den Fußknochen und der Erschlaffung der Muskulatur, was man äußerlich an seiner sich verändernden Form sehen kann. Er wird breiter, flacher, und einzelne Knochen treten hervor oder Zehen verbiegen sich. Der Fuß verliert langsam seine Dämpfungsfähigkeit. Der Schuh versucht diesen natürlichen Verlust an Dämpfwirkung hintanzuhalten. Im wesentlichen durch eine Art von Bandage, die Bänder und Knochen zusammenhält und durch eine stellenweise Hebung der Lauffläche, um den Fuß wieder in die richtigen Lage zum Restskelett zu bringen. Wichtig ist hier zu verstehen, daß Dämpfung nicht gleich Federung ist und daß nicht der Fuß stoßgedämpft wird, sondern seine eigene stoßdämpfende Wirkung erhalten werden soll. So ist auch zu verstehen, weshalb für außerordentliche Belastung speziell dämpfendes Schuhwerk erfunden wurde (Joggingschuhe), zur Erhaltung gesunder Füße aber ordentlich passende Schuhe mit Ledersohle ausreichend und daher die richtige Wahl sind. Der Fuß soll nicht von seiner natürlichen Aufgabe entbunden werden.

Perfekt passende Schuhe behalten ihre Form, weil sie der Form des Fußes folgen und dort, wo die Schuhe den Fuß in Position zwingen sollen, resistent genug gefertigt wurden. Deswegen sind Maßschuhe im Mittel- und Rückfußbereich unnachgiebig. Das angeblich notwendige Eingehen von Schuhen, bis sie passen, ist ein von schlechten Schuhmachern erfundener Mythos. Schuhe, die drücken, passen nicht. Das Gewöhnen an Maßschuhe muß ein Prozeß des ständig steigenden Wohlbefindens sein.

Noch ein Wort zum atmungsaktiven Leder. Richtig ist, daß Leder Wasser aufnimmt. Je nach Art der Gerbung mehr oder weniger. Daher wird die Fußfeuchtigkeit vom Leder bis zu einem gewissen Grad aufgenommen und nach Außen abgegeben. Damit dieser Vorgang funktioniert ist es aber notwendig, daß zwischen Futter und Oberleder, Innensohle und Laufsohle keine Dampfsperre eingebaut wurde. Auch neigen manche Schuhmacher zum exzessiven Einsatz von Neoprenklebstoffen, und die sind eine ausgezeichnete Dampfsperre. Der wirklich traditionell arbeitende Schuhmacher kommt mit seinem Papp (Weizenglutenkleber) für die versteiften Schuhteile und etwas Kautschukzement aus. Der größte Teil der Fußfeuchtigkeit wird an die Sohle abgegeben. Deshalb ist hier die Verwendung von ausreichend dicken Walksohlen (Innensohle) von etwa 4,5 mm und bester Materialqualität so wichtig.