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Schuhpflege

Ein paar Grundlagen vorab: Fast jedem Leder wird von der Gerberei ein bestimmter Prozentsatz Fett zugesetzt, welches auf die jeweilige Gerbung abgestimmt ist. Dieser Fettgehalt soll auf keinen Fall durch Zugabe von Lederfetten oder Ölen erhöht werden. Dieses tief im Leder eingebettete Fett verflüchtigt sich auch nicht. Was sich verflüchtigen kann ist das Fett in der obersten Narbenschicht und etwas darunter. Die Schuhpflege soll sich darauf beschränken, diese Narbenschicht geschmeidig zu erhalten. Dazu ist das in der Sattelseife enthaltene Fett völlig ausreichend.

Zur ordentlichen Schuhpflege benötigen Sie: einen kleinen Haushaltsschwamm, Haushaltshandschuhe, ein glattes, mehrmals gewaschenes Baumwolltuch, Watte, eine Schuhbürste und eine alte Zahnbürste.
Als Arbeitsplatz dient ein möglichst niedriger Schemel und als Arbeitsunterlage ein altes Handtuch, welches über die Knie gelegt wird.

Waschen

Waschen Sie Ihre Schuhe vier Mal jährlich und jedesmal, wenn sie durchnässt und kotverschmutz sind, mit Wasser und Sattelseife. Dazu geben Sie die Strecker in die Schuhe, nehmen mit dem gut feuchten Haushaltsschwamm Sattelseife aus der Dose auf, drücken den Schwamm mehrmals durch, bis Schaum entsteht und reiben dann damit Ihre Schuhe kräftig ab. Auch der Sohlenrand und die Sohle sollen nicht verschont bleiben. Jetzt lassen Sie die Schuhe, ohne den Schaum vorher zu entfernen, zirka 15 Minuten trocknen und bürsten dann die Schaumreste ab.

Reinigen

Um alte, dicke Wachsschichten zu entfernen, reicht Sattelseife oft nicht aus. Benützen Sie dazu Waschbenzin (Feuerzeugbenzin) oder besser reinen Terpentingeist. Beides erhalten Sie im Künstlerbedarfshandel. Träufeln Sie ausreichend Benzin oder Terpentin auf einen Wattebausch und reiben Sie die Schuhe gründlich ab. Nicht zu trocken arbeiten! Auch Öl- und Fettflecken lassen sich so meistens entfernen. Bitte verwenden Sie nie Azeton oder Abbeizmittel zu Schuhreinigung.

Pflegen und Polieren

Nach dem Reinigen oder Waschen empfehlen wir als ersten Auftrag „Saphir, Medaille D'Or“ Pflegewachs weich (in Glastiegeln). Diese Wachscreme ist nicht wasserlöslich und enthält auch weiches Bienenwachs, sodaß ein zügiger Auftrag leicht möglich ist. Für die Fuge zwischen Sohlenkante und Oberleder verwenden Sie die alte Zahnbürste. Nun sind Ihre Schuhe sauber, das Leder ist gepflegt und die Farbe aufgefrischt. Nach ein- bis zweimaligem Auftrag und etwa 10-minütiger Trockenzeit kann mit dem Wasserglanz begonnen werden.

Dazu verwenden Sie ein hartes Schuhwachs, wie „Kiwi“ oder „Saphir“ Schuhwachs in Blechdosen.

1.) Reissen Sie den Putzlappen in 12 bis 15 cm breite und etwa 30 cm lange Streifen. Strecken Sie Zeigefinger und Mittelfinger bei nach oben gedrehter Handfläche von sich und legen Sie den Stoffstreifen quer über die beiden Finger. Dann verdrehen Sie die beiden herabhängenden Enden miteinander, bis der Stoff straff über die beiden Finger gespannt ist und halten diese verdrehte Wulst zwischen Daumen und Zeigefinger (der selben Hand) fest.

2.) Füllen Sie etwas Wasser in den Deckel der Schuhwachsdose und tunken Sie Ihre beiden stoffumspannten Finger etwas ein, so dass der Stoff feucht, aber nicht triefend nass ist.

Glanzelixier Putzwasser!

Immer wieder werden wir gefragt, welche Flüssigkeit dem Wasser zugesetzt werden kann, um einen noch schöneren Glanz zu erreichen. Die Mythen reichen von Champagner über Zitronensaft und Vodka bis Grappa. Unsere Mitarbeiter setzen dem Polierwasser 20 – 30 % reinen Alkohol bei. Der beigesetzte Alkohol verringert die Aushärtezeit der dünnen Wachsschichten, die beim Polieren nach und nach aufgetragen werden. Der Hochglanz entsteht schneller.

3.) Nehmen Sie jetzt etwas Schuhwachs auf und reiben Sie dieses mit kreisender Bewegung ohne viel Druck auf das Leder. Die Stelle soll nicht größer als 5 cm im Durchmesser sein. Kreisen Sie solange auf der gleichen Stelle, bis Sie eine Veränderung, das heisst eine Verfestigung des Wachses spüren. Jetzt müsste sich langsam ein etwas fettiger, schlieriger Speckglanz zeigen. Ist das nach etwa 15 Sekunden gleichmäßigen Kreisens nicht der Fall, nehmen Sie wieder etwas Wachs auf, tunken dann die Finger kurz in das Putzwasser, so daß ein bis zwei kleine Tropfen hängen bleiben und wiederholen dieselbe Prozedur noch einmal.
Bleibt das Wachs immer weich und spüren Sie keinen größer werdenden Widerstand, dann warten Sie eine halbe Minute, nehmen noch etwas Putzwasser auf und bearbeiten dieselbe Stelle aufs neue. Erst wenn Sie an einer Stelle den aufkommenden Glanz erreicht haben, werden Sie das Prinzip verstehen. Entscheidend sind die kreisende Bewegung, nicht zu viel Druck und die richtige Mischung von Wasser und Wachs.Hat sich endlich der Glanz an einer Stelle gezeigt, fahren Sie an der nächsten fort. Ist der ganze Schuh derart bearbeitet, legen Sie über diese die nächste Schicht mit weniger Wachs, aber mehr Wasser und noch weniger Druck. Um die letzten feinen Schlieren zu entfernen, wird der Schuh nur noch mit dem feuchten Lappen ganz leicht abgerieben.

Fast alle Glattleder lassen sich mit dieser Methode auf Hochglanz polieren. Nehmen Sie für Ihre ersten Experimente am besten alte Schuhe aus glattem, schwarzem Leder. Neue Schuhe lassen sich am schwersten polieren.

Wir brauchen für die Erstpolitur etwa 1 Stunde pro Paar. Dieser Aufwand verkürzt sich aber im Laufe des fortschreitenden Schuhalters auf etwa 15 Minuten. Haben Sie einmal den perfekten Glanz erarbeitet, genügt für längere Zeit das Nachpolieren mit einer alten Krawatte oder einem Satintuch.

Pflege von Velours oder Rauhleder

1.) Bürsten ist nie falsch. Mit der Zeit zeigen sich unschöne längere Härchen; diese können über einer Feuerzeugflamme abgebrannt werden.

2.) Mit einem feuchten Haushaltsschwamm abwischen. Bei dunklen Ledern wird die Farbe auch etwas aufgefrischt, wenn man dem Wasser Zitronenkonzentrat beimengt. Ansonsten sind die handelsüblichen Veloursprays zumindest nicht schädlich für die Schuhe. Sattelseife, Wachsschuhpasta z.B. „Saphir“ oder „Kiwi“ (in der Blechdose - hart - nicht wasserlöslich).